inicio mail me! sindicaci;ón
07.02.2012

Besser als die virtuelle Welt?

Besser als die virtuelle Welt?

Artikel in Kabbala Heute Ausgabe #3

Hier kann man alles finden – oder zumindest alles, was der menschliche Geist ersinnen kann. Eine ganze Welt von 3D Menschen leben ihr virtuelles Leben unmittelbar vor deiner Nase. Du brauchst dazu nur eine Maus, einen Monitor und viel Phantasie.
Doch was hat es tatsächlich mit diesem „virtuellen“ Trend auf sich? Was liegt dieser Leidenschaft für fiktive Welten zu Grunde?

Er sitzt zurückgelehnt in seinem bequemen Stuhl, tippt die Adresse auf der Tastatur und begibt sich auf eine nächtliche Tour durch die Stadt. Er geht in einen Club – einen Club der etwas anderen Art. Es gibt da keine Wände, Neonlichter oder Tanzböden aus Parkett. Dieser Club existiert nur in einem virtuellen Raum.


Und doch verhalten sich die Leute dort wie in jedem anderen Club der westlichen Welt: Sie hören laute moderne Musik, tanzen Schulter an Schulter im Gedränge und genießen ihre Drinks an der Bar. Und während der ganzen Zeit sitzen sie vor ihren Computerbildschirmen – an verschiedenen Orten des Globus.
Am Monitor tummeln sich künstliche 3D Menschen – erschaffen, gekleidet und getauft durch die User, die sie steuern. Und hinter jeder Figur befindet sich ein wirklicher Mensch, der sich irgendwo auf der Erde aufhält.
Genau in diesem Moment beispielsweise zeigt der Monitor einen Architekten aus Mailand, einen Anwalt mittleren Alters aus South Dakota und einen Marketing Manager aus New York (na ja, zumindest behaupten sie, sie wären das). Sie treffen sich mit Dan – natürlich ein falscher Name (sein richtiger Name liegt verschlüsselt und sicher auf dem Server). Wir begleiten ihn eine Zeit lang und sehen, wie er sich an der virtuellen Bar sein virtuelles Bier bestellt und mit 10 virtuellen Dollars dafür bezahlt.
Alle Teilnehmer kennen einander unter den unterschiedlichsten Code-Namen: Die schwarze Fee, Prinz des Lichts, Leonardo da Vinci …
Das ist aber nichts Besonderes – in der virtuellen Welt kann man sein, wer immer man will. Alle vier kennen sich bereits von vorangegangenen Treffen, doch sie wissen von einander nur das, was sie tatsächlich preisgeben wollen.
Und so bricht wieder ein typischer Abend in Dans zweitem Leben an, das meistens geheim ist.
Das Leben innerhalb eines 19 Zoll Bildschirms
„Dan“ ist 33, verheiratet und hat zwei Bilderbuch-Kinder. Er lebt mit seiner Familie in einem großen Haus in Palo Alto, Kalifornien. Vor 4 Jahren machte er seinen Abschluss als Computer Ingenieur und wurde bald Bereichsleiter in einer Hi-Tech Firma, die im letzten Jahr erfolgreich im Aktienmarkt einstieg.
Wie viele von uns, nutzt Dan regelmäßig das Internet – er überfliegt die Nachrichten am Morgen, kontrolliert seine verschiedenen Investitionen zu Mittag, und wie alle auf ihre wertvolle Zeit bedachten, ehrbaren Berufstätigen zahlt er seine monatlichen Rechnungen natürlich online.
Die Änderung in Dans Leben trat vor circa einem Jahr ein, als er zum ersten Mal die virtuelle Welt betrat. Er machte plötzlich eine Erfahrung, die sich maßgeblich von allem bisherigen unterschied. Sein Alltag war schlagartig aufregend – danach hatte er sich schon lange gesehnt und er ließ sich bereitwillig in den Bann dieser neuen Welt ziehen. Seither loggt er sich zusammen mit sieben Millionen Anderen regelmäßig in den Cyberspace ein, der jenseits von Zeit und Raum existiert und „Doppelleben“ genannt wird (Genaueres findet man unter “Was ist das Doppelleben?“ am Ende dieses Artikels).
Der Reiz des Virtuellen
Was also zieht so viele Menschen in den Bann einer virtuellen Welt und bewegt sie dazu, dort ein völlig neues Leben zu beginnen?
Entsprechend der Kabbala entstand das Phänomen „Doppelleben“ und alle anderen virtuellen Attraktionen nicht zufällig. Es ist ein Symptom für den derzeitigen Wandel der Menschheit. Es ist Teil einer Entwicklung, der zu Folge wir stufenweise von unserem physischen Leben unabhängig werden. Mit andern Worten, bereitet sich die Menschheit auf die nächste Stufe ihrer Existenz vor – die spirituelle Welt.
Wenn man diesen Vorgang genauer betrachtet, erkennt man, dass unser Verlangen nach einer virtuellen Welt lange vor dem Trend zum „Doppelleben“ entstand. Als sich die Technologien entwickelt hatten, begannen viele Leute, sich auf die verfügbaren Informationen zu verlassen – und die Information selbst ist aus ihrer Natur heraus bereits virtuell. Dieses virtuelle Gut – die Information – wurde für uns lebendig. Große Firmen benützen sie, investieren Vermögen, um sie zu sichern und verkaufen sie letztlich zu astronomischen Summen. (Hat hier jemand YouTube erwähnt?)
Ein anderer Faktor, der die virtuelle Wirklichkeit so unverzichtbar gemacht hat, ist das wachsende Bedürfnis nach Globalisierung. Wir können zum Beispiel Fotos und Videos ins Netz laden und sie mit Tante Sharon in Los Angeles und Onkel Frank in London betrachten – gleichzeitig. Mit der Internet-Kommunikation können wir leicht und kostengünstig Zeitunterschiede und räumliche Distanzen zwischen den Kontinenten überwinden. Es ist, als würden wir die Grenzen der physischen Welt hinter uns lassen.
In Anbetracht dieses aktuellen „Virtualisierungsprozesses“ ist es einleuchtend, dass sieben Millionen Menschen (während wir darüber sprechen, vergrößert sich die Liste noch weiter) zusätzlich zu ihrem physischen Leben ein tatsächlich vollständiges Doppelleben führen.
Flucht in die künstliche Welt
Die Kabbala erklärt noch einen weiteren Aspekt dieses Phänomens: Unsere Versuche, Trost in anderen Dimensionen zu finden rühren ebenfalls daher, dass unser „reales“ Leben mittlerweile ziemlich schwierig und anstrengend geworden ist. Wir sehnen uns danach, unserer Welt zu entfliehen.
Überall ist die Menschheit zunehmenden Krisen ausgesetzt, angefangen von Drogenmissbrauch, Depressionen, einem unzureichenden Bildungssystemen, dem Zerfall der Familie, bis hin zu sozialen Unterschieden – die Liste ist unendlich erweiterbar.
Da wir die Hoffnung verloren haben, dass sich die Dinge global verbessern werden, suchen wir anderswo einen Ort, wo wir all unsere irdischen Probleme vergessen können. Daher erschaffen wir uns immer mehr Rahmenbedingungen, die uns schnelle Ablenkung, Spaß oder auch nur Ruhe versprechen – lauter Dinge, die wir in unserem physischen Alltagsleben nicht mehr finden.
Der nächste Schritt
Was wird als nächstes passieren? Werden wir bald alle in die virtuelle Welt übersiedeln, virtuelles Bier trinken und mit Dan und seinen „erfundenen“ Freunden rumhängen? Wahrscheinlich nicht. Trotzdem ist das „Doppelleben“ kein schlechtes Aufwärmtraining für den nächsten Schritt der Menschheit.
Wie bereits erwähnt, ist es kein Zufall, dass wir uns von einer virtuellen Welt angezogen fühlen. Kabbala sieht darin den Ausdruck unseres tief verwurzelten Verlangens, die spirituelle Ebene unserer Existenz zu überdenken und zu aktualisieren – eine neue Ebene zu erreichen, die vollkommen – ewig und grenzenlos ist.
Gemäß der Kabbala entwickelt sich diese Sehnsucht innerhalb der Menschheit bereits seit tausenden von Jahren. Während wir uns in der Vergangenheit mit unseren beschränkten Erfahrungen in der physischen Welt zufrieden gegeben haben, erfasst der Wunsch nach Spiritualität heute mehr und mehr Menschen und trachtet danach, umgesetzt zu werden. Wir wollen uns nicht länger mit dem zufrieden geben, was uns die physische Welt zu bieten hat.
Daher zeugt die Flucht in virtuelle Welten von einem enormen Fortschritt in der menschlichen Geschichte. Sie spielt eine wichtige Rolle dabei, die Menschen auf die Spiritualität vorzubereiten. Tatsächlich sorgen alle unsere virtuellen Handlungen dafür, dass wir uns von der Materie und unserer körperlichen Identität befreien und die Grenzen von Raum, Zeit und Bewegung hinter uns lassen. Es geschieht, auch wenn wir uns dessen gar nicht bewusst sind: nur durch das Versenden einer Email – heute Routine – überwinden wir jede Distanz zwischen uns und verbinden das eine Ende der Welt mit dem anderen.
Jedoch entspricht die virtuelle Welt nur einer Vorbereitung. Kabbalisten erklären, dass wir nicht länger nur auf dem physischen Niveau existieren wollen, weil sich der Wunsch nach Spiritualität mehr und mehr in uns entfaltet. Und letztendlich werden wir lernen wollen, wie wir die spirituellen Welten betreten und in ihnen leben können, weil uns auch die Flucht in den Cyberspace nicht mehr zufrieden stellen wird.
Glücklicherweise gibt es die Mittel dafür schon. Die Weisheit der Kabbala steht geduldig bereit und wartet darauf, von allen angenommen zu werden, die reif dafür sind. Sobald wir unseren spirituellen Weg beschreiten, werden wir einen Überfluss an Licht vorfinden und es wir heller leuchten als jeder High Resolution Farbton. Doch dieses Licht wird nicht nur kurz auf dem Computerbildschirm aufflackern und dann wieder verschwinden, wenn du in dein „wirkliches“ Leben zurückkehrst. Es wird wirkliches Leben sein – ein Leben, das erfüllt ist mit dem Licht der Ewigkeit und der Vollkommenheit.
Was ist „Doppelleben“?
Doppelleben ist kein Computerspiel. Es ist eine Webseite, die den User in eine riesige 3D Welt mit Millionen von Teilnehmern entführt. Zu jeder Zeit kann man diese Welt als der Mensch betreten, der man gerade sein möchte, um Gleichgesinnte zu treffen. Die Erfahrung ähnelt einem 3D Film – man kann Akteur und Betrachter gleichzeitig sein.
Alles in dieser Welt wird von den Mitspielern bestimmt, dessen Durchschnittsalter etwa 30 Jahre beträgt. Sie tätigen Geldtransaktionen und treiben Handel mit einer Summe von etwa drei Millionen Dollar pro Tag! Natürlich benutzen sie dazu ihre aktuelle Währung – den „Linden Dollar“ (270 Linden Dollar entsprechen einem US Dollar) – welcher auf dem dortigen (virtuellen) Aktienmarkt entsprechend dem Wechselkurs gehandelt wird.
Sie unterhalten sich miteinander, bummeln, kaufen Häuser und Grundstücke, erbauen Geschäftsgebäude, heiraten (um sich dann wieder scheiden zu lassen), gehen ins Kino, halten Vorträge, gehen in Clubs, trinken Kaffee – was immer sie wollen.
Und all das, Ladies und Gentlemen, ist frei erfunden und virtuell.

Ähnliche Beiträge

Bei allen Services (Mister Wong, Yigg, Infopirat etc.)


Dieser Post wurde 1167 mal gelesen.

2 Kommentare »

[…] Artikel: “Besser als die virtuelle Welt?” in Kabbala Heute Ausgabe #3 SHARETHIS.addEntry({ title: “Einführungsvortrag über Kabbala […]

[…] Reaktion auf das YouTube Video war erstaunlich. Menschen aus Russland, China, den USA, Süd-Amerika, Israel, Portugal […]

Dein Kommentar

HTML-Tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>