
Unser Leben wird mehr und mehr virtuell - von Internetbanking bis zu virtuellen Freundschaften. Kabbala erklärt, dass die virtuelle Welt ein Sprungbrett für die geistige Welt ist, in der wir wirklich miteinander verbunden sind.Verbindung ist etwas, wonach wir uns alle sehnen - ein Gefühl der Zusammengehörigkeit oder die Sehnsucht danach, geliebt zu werden. Verbindung untereinander hält Familien zusammen, motiviert Menschen auf der ganzen Welt dazu, Mitglied in einem Club zu werden, religiös zu sein und verschiedenen Organisationen anzugehören. Ob die Gesellschaft diese spezifischen Aktivitäten als positiv oder negativ bewertet, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Die Kraft Teil einer Gruppe zu sein - dazu zu gehören - ist zweifelsohne mächtig. Gleichzeitig leben wir in einer Welt, in der Menschen isolierter sind als je zuvor. Wir leben nicht mehr in Dörfern, in denen jeder über den anderen bescheid weiß. Wir leben in Vororten oder riesengroßen Städten, und wir kennen oft nicht einmal mehr den Namen unseres Nachbarn!
Beziehungen zum örtlichen Lebensmittelhändler, Bankier oder Einzelhändler wurden ersetzt durch Selbstbedienungsautomaten, Internet-Shopping, und sogar die familiären Strukturen brechen auseinander. So sehr haben wir uns isoliert.
Ausgeschöpft bis an die Grenzen
Die Weisheit der Kabbala lehrt uns, dass diese beiden Extreme - der wachsende Wunsch nach Verbindung und unsere Isolation untrennbar miteinander verbunden sind. Der Wunsch nach Verbindung kommt aus unserem spirituellen Ursprung, indem wir alle vereint und Teil eines Ganzen sind.
Der Wunsch nach Genuss auf Kosten anderer - unser Egoismus also - verwehrt uns das Gefühl der Zugehörigkeit zu dieser Einheit. Wir erfahren unsere Existenz als 7 Milliarden Einzelteile. Und unser wachsender Egoismus entfernt uns immer mehr von einander. Das Paradoxe daran ist, dass wir uns umso mehr nach Verbindung sehnen je getrennter und isolierter wir sind. Es ist wie ein Gummiband - je mehr man es dehnt, umso größer wird die Spannung, es wieder in den ursprünglichen Zustand zu bringen. Die Menschheit ist bis an die Grenzen des Egoismus „gedehnt”. Und die Menschen leiden an dieser Spannung und der Schwere, die damit einhergeht. Das ist erkennbar an den vielen Selbstmorden und auch an der zunehmenden häuslichen Gewalt.
Was können wir tun?
Die einzige Lösung liegt darin, zu unserer Verbindung zurückzukehren. Ob wir es nun wahrhaben wollen, wir sind bereits auf dem richtigen Weg - denken Sie ans Internet und seine Dienstleistungen oder sozialen Plattformen.
Technologie und Kommunikation - Basis für Verbindung.
Seltsam genug bietet uns die technisierte Welt, die eine maßgebliche Rolle dabei spielte, uns zu trennen, nun die Möglichkeit uns wieder miteinander zu verbinden. Die Social Networking Sites haben mittlerweile den „Dauerbrenner” Pornografie überholt. Für jeden, der auf seine Individualität nicht verzichten will, hat das Internet eine angenehme und nicht bedrohliche Möglichkeit zur Verbindung parat - basierend auf inneren Eigenschaften, Interessen, Wünschen und Zielen. Man kann dort mit Leuten von der ganzen Welt Freundschaften schließen, die man niemals treffen wird. Und das alles ohne Streitereien, die ein physisches Beisammensein mit sich bringen würde. Wir müssen mit diesen Freunden keine „Alltagsprobleme” ausfechten oder persönliche Unstimmigkeiten lösen. Wenn man mit einem anderen keinen Kontakt haben möchte, öffnet man seine Emails nicht oder erklärt ihn zu „Spam”.
Die virtuelle Welt ermöglicht uns ohne körperlichen Kontakt bzw. ohne körperliche Erscheinung (Rasse, Religion usw.) eine tiefere Verbindung auf einer weniger materiellen Ebene. Wir können uns mehr auf die inneren Eigenschaften der Menschen konzentrieren wie ihre Gedanken, Vorlieben und Abneigungen, Eindrücke und ihre einzigartigen Wahrnehmungen.
Und das ist noch nicht alles: der Wunsch nach der Verbindung auf einer höheren Ebene und auch die Möglichkeit, die innersten Empfindungen zu erfahren, trieb die Entwicklung der grenzüberschreitenden Technologien voran - diese erlauben uns, in die Wahrnehmungen anderer einzudringen. Wir werden bald in der Lage sein, die Welt mit den Augen anderer zu erfahren (und Händen und Ohren!).
Valeria Fuso, ein junger italienischer Designer, baute einen „Erfahrungsrekorder” - ein Apparat, welcher dem Menschen einen „online - Erfahrungsaustausch” erlaubt. Dieser Apparat, der wie ein Handschuh aussieht, ist mit Bewegungs- und Temperatursensoren ausgestattet, ebenso Foto- und Videokamera und einem Audiorekorder. Er kann die alltäglichen Aktivitäten eines Internetusers einfangen und liefert die Daten sofort über eine drahtlose Verbindung an das Netz.
Eine andere Technologie, die immer mehr zum Einsatz kommt, ist VoIP - sprachgesteuert kann man kommunizieren und dem PC Befehle geben. VoIP ist sehr praktisch, wenn man nicht an einen Sitzplatz gebunden sein will. Ein Mensch kann buchstäblich den ganzen Tag lang mit dem Internet verbunden sein. Durch all diese Technologien wurde die Kommunikation zwischen den Menschen immer mehr virtuell. Und durch den leichten Zugang zu solchen Technologien, brauchen wir nicht mehr ausgehen, um uns mit anderen Menschen zu treffen. Wozu Benzin bezahlen und Zeit mit Herumfahren verschwenden, wenn man andere Leute sowieso bequem von zu Hause aus via Internet treffen kann? All diese Faktoren machen das Netz zum wichtigsten Kommunikationsmedium bzw. zur primären Verbindungsmöglichkeit. Unsere „äußeren” Attribute geraten in den Hintergrund und unsere „inneren” gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Von der virtuellen zur Höheren Welt
Mit der Zeit lernen wir, dass alle externen Faktoren irrelevant werden und wir suchen nach der puren spirituellen Verbindung. Doch wir werden erkennen, dass virtuelle Verbindungen durch das Internet oder die ausgefeiltesten Technologien uns nicht ausreichen werden. Sie können uns nicht die absolute spirituelle Erfahrung bringen, nach der wir so intensiv, wenn auch unbewusst, suchen.
In der Zwischenzeit hilft uns die virtuelle Welt aber dabei, zu erfahren, was es bedeutet, jenseits der physischen Grenzen mit anderen Menschen Kontakt zu haben. Und wir werden dadurch lernen, uns spirituell zu verbinden - auf einer Ebene, wo wir buchstäblich ein Wesen bilden. Es gibt keine bessere Verbindung - und Erfüllung - als diese!
„Der Schöpfer gab dem Menschen Wissen und Macht.. gab ihm die Fähigkeit, seinen Entwicklungsprozess zu beschleunigen, frei und völlig unabhängig von den Grenzen der Zeit..”


