
(Basierend auf einem Artikel aus dem Buch Sohar, Band 1 Punkt 74)
Es gibt eine Geschichte von Rabbi Elasar und Rabbi Aba, die unterwegs waren, um Rabbi Yossi zu sehen, und einen Mann, der ihre Esel führte. Rabbi Aba sagte: „Lass uns die Türen der Thora öffnen, denn nun ist es an der Zeit und der Augenblick ist gekommen, auf unserem Weg korrigiert zu werden.“
Alle Bücher der Kabbala, um so mehr das Buch Sohar, schildern innere Zustände, die ein Kabbalist auf seinem spirituellen Weg erfährt. Die vorliegende Geschichte handelt von zwei der neun großen Studenten von Rabbi Shimon Bar-Yochai. Die Geschichte dreht sich nicht darum, dass zwei Rabbis in Galilea fröhlich plaudernd umherwandern, wie es zunächst den Anschein haben mag. Wenn der Sohar darüber schreibt, dass zwei Rabbis einen Rabbi Yossi besuchen möchten, bedeutet dies, dass sie auf der spirituellen Leiter eine höhere Stufe erklimmen wollen als ihre eigene. Sie können dies nur durch eine Kraft erreichen, die sie von oben heraufzieht, und aus diesem Grunde müssen sie durch eine höhere Instanz korrigiert werden. Das ist die Bedeutung der Öffnung der Türen der Thora.
Der Eselantreiber bezieht sich auf jemanden, der die Esel führt. Er tut dies, indem er sie anstachelt und dazu antreibt, schneller zu laufen. Das hebräische Wort Chamor (Esel) leitet sich aus dem Wort Chomer (Substanz, Maerial) ab.
Gemäß der Weisheit der Kabbala ist unsere Substanz der “Egoismusâ€. Während dem Erklimmen der spirituellen Leiter lernt jeder Mensch, wie er seinen Chomer richtig einsetzt, um spirituell zu wachsen.
Die egoistische Natur des Menschen steht im Kontrast zu der spirituellen Natur. Um sie zu nötigen, zur nächsten Stufe aufzusteigen, muss sie „angestachelt“ werden. Es gibt nur einen Zweck für alles Leiden, das man erfährt – das leidende Individuum dazu zu drängen, das korrigierende Licht anzuziehen. Wir können dieses Licht bekommen – die einzige Art, die egoistische Natur zu verändern – durch das Studium kabbalistischer Bücher. Haben wir einmal unsere egoistische Natur geändert, entdecken wir die „Geheimnisse der Thora“, also die vollständige Wirklichkeit. Erst nachdem die Geheimnisse der Thora enthüllt sind, weiß der Esel in uns, wie er sich verändern muss und wo er lang steigen muss.
Als sie damit begannen, die Geheimnisse der Thora zu enthüllen, begann der Eselantreiber, der die Esel hinter ihnen führte, ihnen tiefgründige Fragen zu stellen, die sie nicht beantworten konnten. Diese Fragen ließen Rabbi Elasar und Rabbi Aba ohne Antworten zurück.
Der Eselantreiber erschien wie ein einfacher Mensch, der an ihrer Seite wanderte, während sie auf ihren Eseln ritten. Das Erklimmen einer anderen spirituellen Stufe von einer vorausgehenden spiegelt die Korrektur eines anderen egoistischen Verlangens in einem wider. Der Eselantreiber stellt den Kabbalisten Fragen nach Regeln, die ihnen erst auf der nächsten spirituellen Stufe enthüllt werden. Sie können die Fragen nicht beantworten, weil sie diese nächste spirituelle Stufe noch nicht erreicht haben.
Daher wird ihnen durch die Fragen des Antreibers enthüllt, dass sie nicht in der Lage sind, die nächste Stufe aus sich selbst heraus zu erklimmen. Der Antreiber führt sie zur nächsten Stufe und wird daher auch „Eselantreiber“ genannt: er ist derjenige, der ihren Chomer anführt – unkorrigierte, egoistische Verlangen. Wenn zwei Kabbalisten die Erhabenheit dieses „einfachen“ Antreibers aufdecken, welchen sie zuvor ignorierten, so platzieren sie ihn an die Spitze ihrer Reisegruppe um sie anzuführen.
Der Sohar erklärt, dass der Eselantreiber eine Seele darstellt, die von oben gesandt wurde, anderen Seelen bei ihrem Aufstieg von Stufe zu Stufe behilflich zu sein. Die beiden Kabbalisten könnten nicht auf eine höhere spirituelle Stufe angehoben werden, wenn nicht durch diese Unterstützung.
Anfänglich erscheint einem Menschen diese Seele, die einen begleitet als „einfache Seele“. In diesem Zustand erkennt man sie nicht als Hilfe, die genau dazu gesandt wurde, einen zu unterstützen. Alles was uns abverlangt wird, ist der Wunsch nach Veränderung, dass Korrektur geschieht. Wenn unser Verlangen danach stark genug ist, kommt auch die Unterstützung. Jedem Menschen, der aufsteigen möchte, wird eine „Hohe Seele“ von oben geschickt, die einem behilflich ist und sie oder ihn auf den Stufen der spirituellen Leiter begleitet.
Rabbi Elasar und Rabbi Aba verlangten vom Antreiber, ihnen zu sagen, “Wie der Schöpfer es ‚angestellt’ hat, dass er zu ihnen kam und auf welche Weise sie wohl auf eine höhere Stufe gelangen würden?“ Ihr werdet dieses Geheimnis in der Zukunft erlernen, versprach der Antreiber…
Den Sohar so wie wir soeben zu lesen, erweckt in uns unmittelbar den Eselantreiber in unseren eigenen Seelen. Der Eselantreiber beginnt dann seine Arbeit an der Seele und erhebt diese zu höheren Stufen, dorthin, woher der Eselantreiber kommt.