23.04.2010
Eine Frage, die ich erhielt: Muss die Arbeit an der Absicht während des Lesens des Buches Sohar bereits tagsüber beginnen, lange vor dem Unterricht?
Meine Antwort: Ich würde sagen an der Absicht muss immer gearbeitet werden. In unserer Welt ist alles so aufgebaut, dass wir uns nur eine kurze Zeit in Kontakt mit der Gruppe und dem Studium befinden.
Tausende Menschen aus der ganzen Welt nehmen gerade zusammen mit uns am Unterricht teil. Viele hören eine Simultanübersetzung des Unterrichts. Es gibt auch manche, die selbst die Übersetzung nur mit Mühe verstehen können, weil lediglich in Grundsprachen übersetzt wird.
Doch das ist unwichtig für die spirituelle Entwicklung. In Bezug auf den Sohar-Text befinden wir uns alle im gleichen Zustand. Wir kommen zum Unterricht wie zu einer Tankstelle, um zu tanken und davon die restlichen Stunden zu leben.
Unsere Welt ist extra so aufgebaut, dass wir ein Drittel unseres Lebens arbeiten, ein Drittel schlafen und ein weiteres Drittel für irgendwelche Dummheiten vergeuden. Uns bleiben nur ein paar Stunden, die wir vom Schlaf wegreißen, um zu studieren.
Doch bevor wir uns an das Studium machen, müssen wir verstehen, dass unser ganzes Leben richtig aufgebaut ist und dass wir nicht aus Ausweglosigkeit arbeiten gehen müssen. Der Schöpfer hat für uns extra diesen Prozess organisiert.
Und selbst wenn ich nur für eine Stunde zum Unterricht komme, muss das ausreichen, um die restlichen 23 Stunden in der Verschmelzung mit dem Ziel zu sein und während dieser 23 Stunden meine Verlangen auf diese eine Stunde, in der ich am Unterricht teilnehme, vorzubereiten.
Vor über zweitausend Jahren lebte in der Wüste Negev ein Mann, den man Bar Bi Yoma nannte (Schüler für einen Tag). Er war Bauer und arbeitete auf dem Feld.
Und wenn es eine Pause in der Saisonarbeit gab und er sein Haus verlassen konnte, ging er nach Jerusalem. Nach einem langen Weg blieb ihm nur ein Tag zum Studium der Tora, denn am nächsten Tag musste er sich bereits auf den Rückweg machen, um seine Arbeit wieder aufzunehmen.
Zu seinen Ehren gibt es heute noch einen Brauch, nach dem alle einen Tag im Jahr studieren müssen. Damals sagten die Weisen, dass sein Studium an nur einem Tag im Jahr gleichzusetzen mit dem ununterbrochenem Studium während des ganzen Jahres sei, weil er das ganze Jahr über diesem Tag entgegenstrebte.
Deshalb werden uns, wenn wir während der 23 Stunden auf diese eine Stunde Unterricht warten, die gesamten 24 Stunden angerechnet.
Daraus kann man ableiten, wie viele Stunden benötigt werden, um das Verlangen auf eine Stunde Unterricht vorzubereiten.
Deshalb hängt alles von der Vorbereitung ab. Die ganzen restlichen Stunden müssen wir uns auf den Sohar-Unterricht vorbereiten.
