
Wir sind alle mit dem Konzept des Betens vertraut: “Lieber Herr, lass mich bitte einen guten Abschluss in meiner Chemie-Prüfung machen und hilf meinem kleinen Bruder, bald aus dem Krankenhaus herauszukommen. Und vergib mir alle meine Sünden. Dafür verspreche ich, für immer und ewig ein guter Junge zu sein.”
In der Kabbala, bedeutet Gebet nicht, den Schöpfer um “gute Sachen” zu bitten. Eher ist es eine Art der Selbstanalyse, ein Prozess der inneren Änderung. Eine Person sieht sich als Bestandteil der unveränderlichen Qualität der absoluten Liebe, die die ganze Natur belebt, und nur die Fähigkeit der Person, es zu fühlen, macht eine allmähliche Änderung und Verbesserung durch.
So würde ein Kabbalist nicht versuchen, den Schöpfer zu bitten, aufzuhören, ihn hart zu behandeln oder ihm bessere Dinge im Leben zu geben. Er weiß, dass der Schöpfer unveränderlich (gleich bleibend) ist. Das Einzige worum er bittet, ist daher für persönliche Änderung. Diese Art des Gebets bedeutet das Beurteilen, Analysieren, und Vergleichen von uns selbst mit der unveränderlichen Qualität der ganzen, vorbehaltlosen Gabe, die Leben erzeugt. Es ist ähnlich dem, wenn ein Wissenschaftler ein Naturgesetz entdeckt, und Experimente durchführt, um seine Effekte zu messen. Die Forschung von Kabbalisten findet jedoch innerhalb sich selbst statt: Er misst den Unterschied zwischen sich und dem Schöpfer, und was zu tun ist, um dem Schöpfer ähnlich zu werden.
Anhänger großer Religionen sind überzeugt, dass Menschen den Schöpfer während des Gebets um Dinge bitten und anflehen sollten, sich ihnen gegenüber zu ändern. Kabbala erklärt, dass diese Art der Gebete als eine Form der psychologischen Unterstützung wirksam sein können, da eine Person aufrichtig glaubt, dass positive Änderungen in ihrem Leben geschehen werden. Aber die Tatsache bleibt, dass der Schöpfer bereits jeden mit der absoluten Liebe und Schenkung behandelt, da seine einzige Qualität “Güte” ist, die sich nicht ändert.
Kabbalisten sind Menschen, die ihre inneren Qualitäten auf eine Weise geändert haben, die sie mit dem Schöpfer vereint. Praktisch bedeutet das, dass sie ihre Wahrnehmung verändert haben und im Stande sind, ein breiteres Spektrum der Wirklichkeit außerhalb der Grenzen der physischen Welt zu fühlen. Von diesem Höhepunkt der Vision und Wahrnehmung sehen sie, dass der Schöpfer uns immer mit dem absoluten Nutzen behandelt und sich nie ändert.
Sie empfehlen uns, dasselbe zu tun: Sich zu erinnern, dass der Schöpfer unveränderlich ist und unsere Zeit und Anstrengungen nicht damit zu vergeuden, ihn zu bitten, sich zu ändern. Nur wenn wir uns selbst ändern, werden wir plötzlich sehen, dass die Welt gut ist, und dass der Schöpfer uns immer mit der absoluten Güte behandelt.
Und doch sagen auch religiöse Menschen, dass Du Dich ändern musst, stimmt’s? Der Unterschied ist, dass sie über das Ändern von jemandes äußerlichen “guten Taten” und dem Durchführen bestimmter Rituale sprechen. Diese Art der Änderung hat nichts mit dem Umwandeln unserer inneren Qualitäten und Wahrnehmung zu tun, und folglich unterscheidet sich Religion grundlegend von Kabbala.
Tausende von Jahren “des Betens” zeigen uns, dass es sinnlos ist, den Schöpfer zu bitten, dass er sich ändert. Wir versuchen nicht die Gravitation oder jede andere Kraft der Natur zu ändern, und auf die gleiche Weise sollten wir uns auf den Schöpfer als die alles beinhaltende Kraft der Natur, eine dauerhafte Kraft der Liebe und Schenkung beziehen.
