
Wie ist es, ein Kabbalist zu sein? Kannst du durch Wände sehen? Lebst du ein zurückgezogenes Leben, meditierst den ganzen Tag und gebrauchst nur die einfachsten lebensnotwendigen Güter? Kannst du die Gedanken und Gefühle anderer Menschen manipulieren? Kannst du einen Zug mit deinen bloßen Gedanken stoppen?
Tatsache ist, dass das einzige Anliegen eines Kabbalisten darin besteht, in Harmonie mit der Kraft zu sein, welche die ganze Wirklichkeit belebt, genannt „Höheres Licht”. Wenn man die Verbindung mit diesem Höheren Licht erhält, verändert man sich von innen heraus und beginnt, neue Empfindungen zu spüren.
Eigentlich sind das, was man fühlt, die Qualitäten, die im Höheren Licht präsent sind - Qualitäten der Liebe, des Schenkens, der Perfektion und der Ewigkeit. Die Beziehung des Kabbalisten mit dem Höheren Licht wird „Höhere Welt” genannt, ein Bereich jenseits von Raum und Zeit.
Infolge der inneren Veränderungen des Kabbalisten, verändert sich auch sein Verhältnis zu anderen. Ganz selbstverständlich beginnt er Liebe für andere Menschen zu empfinden, so als wären sie seine Verwandten. Das kommt daher, da er mit seiner Beziehung mit dem Höheren Licht beschäftigt ist und weil das Höhere Licht vollkommen Liebe und Schenken ist, nimmt der Kabbalist naturgemäß diese Eigenschaften ebenfalls an.
Allerdings handelt es sich hierbei nicht um etwas, dass du zwangsläufig im Außen wirst erkennen können. Ein Kabbalist verändert sich nicht aufgrund dessen, weil ihm jemand beibringt, wie er sich verhalten soll und ihm moralische Prinzipien predigt oder weil er über „angemessenes Verhalten” liest. Jegliche Veränderung in seiner Haltung, seiner inneren Einstellung, erscheint selbstverständlich, ohne jeglichen Zwang oder äußerer Anleitung.
Die Kabbala behauptet, dass jegliche Belehrung oder Handlung, die einen Menschen einschränkt, falsch ist. Wir können keine Verhaltensform bei Menschen erzwingen, da dies ganz einfach wirkungslos ist. Daher versucht kabbalistische Erziehung nicht, auch nur irgendeine unserer Einstellungen oder Vorlieben zu unterdrücken. Vielmehr leitet Kabbala einen Menschen dazu an, wie er aus seinem Inneren heraus in Balance und Harmonie mit der Natur gelangen kann - und auch nur, wenn der Mensch danach begehrt. Durch die Kabbala lernt man etwas über die Qualitäten des Höheren Lichts, wie man in Kontakt mit ihm gelangt und wie man sich ihm angleicht.
Somit gibt es keinen Zwang darin, Menschen die Weisheit der Kabbala zu lehren. Wurde Rav Kook, der große Kabbalist des 20. Jahrhunderts, gefragt, wer Kabbala studieren könnte, war seine Antwort stets: „Jeder, der es möchte.” Und tatsächlich verhält es sich gerade anders herum: Du kannst Kabbala nicht wirklich studieren, wenn du kein Verlangen danach hast; denn das, was du studierst - die Verbindung mit dem Höheren Licht - wird speziell durch dein Verlangen empfunden. Demnach wäre es inkorrekt, irgend jemanden zum Studium zu drängen, da es keine Früchte tragen könnte.
Heute steht Kabbala jedem zur Verfügung und jeder, der möchte, ist in der Lage etwas über das Höhere Licht zu lernen, dessen Qualitäten und wie er in Harmonie damit gelangen kann.
