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08.02.2012

Die Grenzen der Freude

Auf dieser Welt gibt es nur zwei Tragödien. Die eine ist, nicht zu bekommen, was man möchte, und die andere, es zu bekommen. Letztere ist die schlimmstegeldhaufen mann ; die letzte ist eine wirkliche Tragödie– Oskar Wilde, Lady Windermeres Fächer

Wenn wir den Genuss untersuchen, den wir aus Wissen ableiten, aus Vorherrschaft, Ehre, Wohlstand oder aus Genuss von Nahrung oder Sex, dann scheint es so zu sein, dass in all diesen Fällen der größte Genuss in dem kurzen Moment erfahren wird, wenn sich das Verlangen und dessen Befriedigung begegnen. Von dem Moment an, wo wir beginnen, unser Verlangen zu befriedigen, nimmt der Genuss ab.
Der Genuss aus der Befriedigung eines Verlangens mag Minuten, Stunden oder Tage andauern, aber er verblasst. Selbst wenn wir über viele Jahre versuchen, etwas zu erreichen, wie ein repräsentatives Büro - sobald wir es haben, verlieren wir die Empfindung des Genusses. Offenbar ist der Genuss, der das Verlangen befriedigt, auch derjenige, der diesen beendet.


Darüber hinaus erzeugt die Tatsache, dass der Genuss das Verlangen durchdringt und anschließend verblasst, in uns ein Verlangen nach Genuss, welches doppelt so groß wie das ursprüngliche ist. Was uns heute befriedigt, tut es morgen nicht mehr. Wir wollen mehr. Viel mehr. Daher vergrößert die Befriedigung unserer Verlangen diese eventuell und zwingt uns dazu, sogar größere Anstrengungen unternehmen zu müssen, diese zu erfüllen.
Wenn das Verlangen, Dinge zu erzielen, sich verringert, dann verringern sich die Wahrnehmung des eigenen Lebens und die eigene Vitalität. Auf diese Weise stattet die menschliche Gesellschaft jedes Mitglied mit neuen Bedürfnissen aus, welche sie zu einem neuen flüchtigen Augenblick erwecken. Ständig werden wir erneut für einen Augenblick erfüllt und dann wieder ausgelaugt, nur um noch frustrierter zu werden.
Die heutige Gesellschaft treibt uns dazu an, immer mehr anzustreben, fast alles zu erwerben, selbst wenn wir dafür keine Verwendung finden. Aggressives Marketing, die Notwendigkeit, soziale Standards zu erfüllen, und die Leichtigkeit, mit der man Kredite erhalten kann, führen uns dazu, weit über unsere Einkommen hinaus einzukaufen.
Einmal etwas Neues erworben, verblasst die Aufregung über das neu Erworbene rasch, als ob es nie existiert hätte, obwohl die Zahlungsraten über Jahre erhalten bleiben. In diesem Fall wird die Enttäuschung nicht vergessen, sondern wird immer stärker.
Selbst Wohlstand erzeugt kein Glück. Neuere Forschung, angeführt durch Prof. Daniel Kahnemann, enthüllt, das es eine große Kluft gibt zwischen der Beurteilung eines „gewöhnlichen Menschen“ bezüglich der Auswirkungen solcher Parameter wie Wohlstand und physischer Stimmungszustände und ihrer tatsächlichen Auswirkungen gemäß der Eckwerte der Studie. Gibt. Die Studie ermittelte die durchschnittlichen Stimmungszustände der Menschen und fand keinerlei signifikanten Unterschiede zwischen Reichen und Armen.
Darüber hinaus waren negative Gefühle (Ärger und Feindseligkeit) unter Reichen weiter verbreitet. Eine der Erklärungen für das Fehlen eines stärkeren Zusammenhangs zwischen Wohlstand und alltäglichem Glücksempfinden besteht darin, dass wir uns schnell an Komfort und einen neuen Lebenstandart gewöhnen, und sofort nach mehr verlangen.
Wir können die Grenzen des Verlangens nach Genuss mit den Worten von Baal HaSulam zusammenfassen: “Diese Welt wurde mit einem Mangel und einer Leere an gutem Überfluss erschaffen. Um Besitz erlangen zu können, muss man sich bewegen. Es ist jedoch bekannt, dass ein Übermaß an Bewegung den Menschen bekümmert… es ist jedoch auch unmöglich ohne Erworbenem und ohne Güter zu verbleiben…Folglich wählen wir die Qual der Bewegung um Besitz zu erlangen. Da jedoch all ihre Besitztümer ihnen selbst dienen sollen und `derjenige, der eine Portion erhielt nach der doppelten verlangt`, stirbt man schließlich mit lediglich der `Hälfte seiner Verlangen in den Händen`. Am Ende leiden wir von zwei Enden her – durch das Anwachsen der Qual aufgrund vielfältiger Bewegung und durch das Bedauern, nicht über das zu verfügen, was uns wenigstens halb erfüllt.“
Daraus folgt, dass das Verlangen zu genießen, uns in einer augenscheinlich unmöglichen Situation zurücklässt. Einerseits wachsen unsere Verlangen ständig, andererseits, führt dies, indem wir sie erfüllen, was uns erhebliche Anstrengungen und Handlungen abfordert, zu sehr kurzlebigen Befriedigungen, die uns doppelt so leer zurücklassen.

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