
Artikel in Kabbala Heute Ausgabe # 7
Die dramatische Geschichte des Auszugs aus Ägypten ist viel mehr als ein wichtiges Datum im hebräischen Kalender. Entsprechend der Kabbala beschreibt er die Befreiung vom Egoismus und die gesamte Menschheit erfährt dies gerade.
Alle Welten (diese eingeschlossen) sind Zustände innerhalb von uns. Wir werden sie nirgendwo sonst finden. Mit anderen Worten sind es nicht wir, die sich innerhalb der Welten befinden, sondern die Welten befinden sich in uns. Außen befindet sich nur der Schöpfer, das Höhere Licht.
Die Menschen in unserer Welt sind überzeugt, dass sie sich innerhalb einer bestimmten Realität befinden, einer Wirklichkeit, die bereits vor unserer Ankunft erschaffen wurde. Doch dies ist eine Illusion. Es gibt nichts außerhalb von uns außer dem Licht des Schöpfers. Dieses Licht berührt unsere Sinne auf solche Art und Weise, dass wir es als fest, flüssig, gasförmig, vegetativ oder belebt wahrnehmen. Alles, was wir uns vorzustellen vermögen und um uns herum erkennen, wird durch unsere eigenen Sinne hervorgerufen. Sie erwecken in uns das Gefühl, als existierten alle Dinge außerhalb von uns. Doch in Wahrheit gibt es außen nur den Schöpfer.
Diese Welt ist der tiefste Punkt, den ein Kabbalist erreicht. Sie ist der Gegenpol zum Schöpfer und wird „Exil in Ägypten” genannt. Die natürliche Kraft, die in diesem Zustand auf uns wirkt - die Kraft unserer egoistischen Natur - erlaubt uns nicht, uns etwas anderem als uns selbst anzunähern. Dieser Zustand wird auch „Pharao” genannt.
Unser Egoismus erlaubt uns nicht, den feinsten aller Zustände - den perfekten Zustand - zu spüren. Es ist der Egoismus - des Menschen innerste und bösartigste Kraft (der Pharao) - von dem die Tora ausführlich spricht, wohingegen die Kraft, die jemanden aus diesem Zustand befreit, „Moses” genannt wird. Pharao, Moses und alles, was über den Auszug geschrieben steht, handelt von spirituellen Zuständen und Emotionen.
Unser derzeitiger Zustand ist also der tiefstmögliche. Wir haben keine Vorstellung davon, was wir sind oder wo wir uns befinden. Es ist sogar ein Zustand, der noch unter „dieser Welt” liegt, denn unseren Zustand als „diese Welt” zu definieren impliziert, dass wir uns bereits dessen bewusst sind, dass eine andere Welt existiert. Sie ist so niedrig, dass wir in ihr nicht den Funken an Spiritualität verspüren.
Die Tora ist kein historisches Epos, doch es gibt ein Korrelat zwischen dem Text und der Menschheitsgeschichte. Dies liegt daran, weil die Aufbau aller Welten auf den gleichen Prinzipien basieren: alles, was in einer spirituellen Welt geschieht, hat einen Abdruck in seiner entsprechenden niedrigeren Welt, bis hinunter zu unserer Welt.
Alles, was die Menschheit während ihres Aufstieges entlang der Welten durchwandert, muss von jedem Individuum in jeder Welt, speziell in dieser, erfahren werden.
Der Auszug aus Ägypten - die Absage an den Egoismus - wartet noch auf uns alle! Und im 21. Jahrhundert befinden wir uns näher an diesem Schritt - vom Egoismus hin zu einer Menschheit des Gebens und der Liebe - als je zuvor. Wenn wir erst diesen Schritt wagen, werden wir unsere Verbindung zur Spiritualität und der ewigen Realität erfahren, was erst dann fühlbar wird, wenn wir unserem Ego entsagen und aus „Ägypten ausziehen”. Die Weisheit der Kabbala erläutert uns, dass wir schon dadurch, dass wir in diese Richtung zu denken beginnen, unsere Entwicklung beschleunigen und uns selbst viel Leid ersparen, weil unsere Gedanken sich dem Schöpfungsziel angleichen.
