Fragen und Antworten mit Rav Michael Laitman PhD – aus einem Interview mit der New Jersey “Courier Post”
Artikel in Kabbala Today Ausgabe #2
F: Warum bezeichnen sie die Kabbalah als Wissenschaft und nicht als Religion?
A: Sie wird als Wissenschaft bezeichnet, weil sie eine ist. Die Wissenschaft der Kabbalah nahm ihren Anfang vor ungefähr 5000 Jahren im altertümlichen Babylon. Zu dieser Zeit war die gesamte Menschheit verbunden und als eine Nation vereint. Der Egoismus begann sich in den Menschen zu entwickeln, sie entfremdeten sich zunehmend, was dann als Stichwort für die ganze und berühmte Geschichte um den Turm zu Babylon diente.
Das Heilmittel hierfür war eine Methode, die durch einen bestimmten Menschen entdeckt wurde, den wir heute als Abraham kennen. Er entdeckte eine Methode, die Menschen trotz des wachsenden Egoismus wieder in Verbindung zu bringen.
Die Methode, die er entdeckte, war eine wissenschaftliche Methode. Anders ausgedrückt verwendet sie wissenschaftliche Untersuchungswerkzeuge, um unseren eigenen internen Mechanismus zu ergründen; und das ist es, was wir heute als die Weisheit der Kabbalah kennen. Judentum, Christentum oder Islam datieren viel später als die Weisheit der Kabbalah und stehen tatsächlich mit ihr in keinem Zusammenhang.
F: Kann man Kabbalah studieren, während man eine Religion praktiziert?
A: Ja, jedermann kann Kabbalah studieren. Es spielt wirklich keine Rolle, ob man einer bestimmten Religion angehört oder vollständig weltlich ist. Die Weisheit der Kabbalah steht jenseits dieser Dinge. Sie ist ohne jegliche Beziehung zu diesen Dingen und Sie können sie unabhängig, von was auch immer Sie in ihrem Leben tun, studieren, nicht nur bezüglich Religion, sondern auch bezüglich jedes anderen Glaubenssystems oder jeder anderen Praxis.
F: Gibt es irgendeinen Unterschied zwischen authentischer Kabbalah Lehre und der Ausübung von Zeremonien wie durch Madonna?
A: Ja, da gibt es einen großen Unterschied. Zu aller erst muss man, wenn man authentische Kabbalah studieren möchte, auch authentische Quellen heranziehen. Kabbalah verwendet fünf authentische Quellen: die Schriften des Abraham, Das Buch der Schöpfung, und des Moses, was wir heute als Pentateuch (auch als Torah oder die Fünf Bücher Moses bekannt) kennen, dann das Buch Zohar, die Schriften des heiligen Ari und aus dem 20. Jahrhundert die Schriften von Rabbi Yehuda Ashlag. Nebenbei bemerkt sind die Schriften des Ashlag in unserer Generation am besten für das Studium geeignet.
Ergänzend gesagt, Kabbalah ist ein Studium. Es ist wie bei jeder Wissenschaft. Es gibt keine Objekte, keine roten Armbänder, kein heiliges Wasser, keine Zukunfts-Voraussagen, Mystizismus, Reize – nichts von alle dem gehört zur authentischen Kabbalah, nicht einmal Meditation. Sie besteht einfach aus dem reinen Studium der Wirklichkeit und sie erweitert Ihre Wahrnehmung der Wirklichkeit, Ihre Kontrolle über Ihr eigenes Leben und das Leben im Allgemeinen.
F: Aber da gibt es Spiritualität?
A: Ja, Spiritualität ist der Aspekt der Wirklichkeit, der nicht durch unsere gewöhnlichen fünf Sinne erfahren werden kann. Die Weisheit der Kabbalah erweitert einfach ihre Wahrnehmung der Wirklichkeit. Sie stattet Sie mit ergänzenden Werkzeugen aus, die Sie ansonsten nicht erlangen könnten.
So wie die Physik Ihnen bestimmte Werkzeuge in die Hand gibt, gibt Ihnen die Kabbalah andere in die Hand. Sie benötigen alle Arten von Wissenschaften, um ein vollständiges Bild der Wirklichkeit zu erhalten. Kabbalah entführt sie sozusagen hinter die Kulissen.
Stellen Sie sich das als seine Stickerei vor. Sie sehen ein hübsches Bild vor sich, eine Landschaft oder eine Blume usw. Wenn sie die Stickerei umdrehen, sehen sie ein Kuddelmuddel von Fäden. Sie müssen wissen, wie diese Fäden verbunden sind, um daraus ein hübsches Blumenmuster auf der Vorderseite der Stickerei zu erzeugen. Das ist es, was die Kabbalah lehrt, wie man die Fäden hinter den Kulissen verbindet.
F: Wie verändert die Kabbalah das eigene Leben?
A: Wenn Sie die Kräfte hinter der Stickerei sehen, über die wir sprachen, beginnen sie zu erkennen, wie alle Fäden Ihres Lebens miteinander verbunden sind und so beginnen Sie zu wissen, wie sie diese Verbindungen besser machen können, Sie machen nicht mehr die Fehler, die Sie anderenfalls machen würden.
Alle Aspekte Ihres Lebens ordnen sich durch die Kabbalah. Zum Beispiel werden in Familien die Familienbindungen gestärkt; in Bezug auf Bildung hilft sie, dass Sie Ihre Kinder besser verstehen und besser von Ihren Kindern verstanden werden. Probleme wie Drogenmissbrauch, Depression werden verhindert, weil Sie anfangen, die Welt zu verstehen und mit ihr in Harmonie zu leben. Die Welt ist nicht nur Natur; es sind die Menschen um Sie herum und Sie selbst am meisten. Kabbalah ermöglicht dies auf einer persönlichen Ebene, einer sozialen Ebene und auf globaler Ebene.
Zum Beispiel ist es heute kein Geheimnis mehr, dass wir uns in einer globalen Krise befinden. Wir erkennen das in jedem Aspekt unseres Lebens, angefangen beim Klima und letztlich in unserem persönlichen Leben als Depression und Krankheit; wir haben auf allen Gebieten eine Krise. Die Kabbalah liefert eine Lösung, weil sie uns erzählt, was hinter den Kulissen geschieht und was man dort ändern kann. Heutzutage ist die Enthüllung der Weisheit der Kabbalah vielmehr ein Muss als in vergangenen Tagen.
F: Wie kann man sich eine Verbindung mit dem Schöpfer vorstellen?
A. Es ist eine persönliche Verbindung. Es ist so, als ob sie aufhören, sich um sich selbst zu sorgen und sie die Gedanken und Sorgen eines jeden anderen erfahren. Sie werden verbunden und empfinden jenseitig. Sie fühlen das nicht nur, Sie befinden sich jenseits von Zeit, Raum und Bewegung. Sie werden auf eine Weise ewig, weil Sie in eine ewige Wahrnehmung eintreten. Es bringt Sie an einen Punkt, wo Sie nur noch geben möchten.
F: Ist das der Grund, warum Sie das mit den Menschen teilen möchten, um ihnen dieselbe Erfahrung zu ermöglichen?
A: Ja, natürlich. Sie erfahren die Harmonie der Natur und der Wirklichkeit und möchten das teilen. Es ist nicht nur ein Privileg. Es ist schlicht eine Pflicht, denn die gesamte Menschheit muss an diesen Punkt gelangen, an dem alle von uns diese Harmonie erfahren. Tatsächlich sind die Krisen, die wir heute erfahren, nicht ohne Grund. Sie sollen uns zum Nachdenken über das Leben anregen und uns ermöglichen, diese Harmonie aufzubauen.
