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08.02.2012

Hyperaktivität bei Kindern – Unsere Kinder und Wir

kids Unfähigkeit sich zu konzentrieren, Unfähigkeit zu Aufmerksamkeit, schnelle Erregbarkeit, Hang zu Grausamkeit – wir beobachten, dass diese Verhaltensweisen bei Kindern zur Normalität werden. „Hyperaktivität“ – wir haben das Problem passend definiert. Nun können wir es bereits behandeln. Wir ersetzen Dexedrine durch Ritalin, um die Symptome zu unterdrücken und zu beseitigen. Wir gehen in die Offensive, um ja nicht die Anfangssymptome zu übersehen, damit sich keine schwerere Symptomatik bei unseren Kindern entwickelt. Doch können wir dieser Erkrankung tatsächlich mit Pillen Einhalt gebieten? Können wir die Erkrankung bekämpfen, indem wir deren Symptome nicht aber deren Ursache beseitigen? Und handelt es sich dabei überhaupt um einer Erkrankung?

Erinnern Sie sich? In der Vergangenheit gab es nur vereinzelt wenige solcher Kinder. Sie wurden als unterentwickelt bezeichnet – man stelle sich das vor! – und man sperrte sie in Sonderschulen. Das Problem köchelte unter der Oberfläche: es trat selten auf, man vergaß es schnell – und wir sahen weiterhin kühn einer strahlenden Zukunft entgegen. Heute aber hat das Problem kritische Ausmaße erreicht – Schätzungen entsprechend leiden 20% der Kinder im Alter zwischen 6 und 16 Jahren am Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom und an Hyperaktivität – und nachdem es für sie keinen Platz mehr in Sonderschulen gibt, entschied man sich dafür, die Hyperaktivität als Krankheit zu bezeichnen.

Doch nicht jeder ist damit einverstanden.

Beispielsweise glaubt der Psychiater Sidney Walker, Autor von A Dose of Sanity, dass es sich bei Hyperaktivität nicht um eine Krankheit handelt, sondern um „einen von Ärzten, die keine Ahnung davon haben, was wirklich mit diesen Kindern los ist, verübten Jux“ [Sydney Walker III, The Hyperactivity Hoax, 1998, p.5].
Die Mehrheit aber versetzt uns mit der Schilderung schrecklicher Folgeerscheinungen dieses Syndroms in Panik – Geisteskrankheit, zunehmende Neigung zu Drogenmissbrauch und kriminellem Verhalten. Dies impliziert folgenden Schluss: „Wenn Sie jetzt nicht auf uns hören, dann kommen Sie später nicht angekrochen, wenn Sie ausgeraubt, überfallen oder vergewaltigt wurden.“ Und so werden am Fließband Medikamente hergestellt, die den kindlichen/jugendlichen Organismus unterdrücken und oft kaputt machen.

In Wirklichkeit ist die wachsende (hyper – wie es heute allgemein heißt) Aktivität junger Menschen in keinster Weise eine Hyperaktivität. Es ist ein normaler Zustand für eine Generation, die eine neue Ebene der Entwicklung in Bezug auf das „Verlangen zu Empfangen“ erreicht hat. Kabbalah erklärt dies alles auf eine sehr einfache und ansprechende Weise.

Die Wurzel all unserer Handlungen – egal welche – ist das Verlangen nach einer angenehmen (Er)Füllung. Wir sprechen bei einer geringeren Ausprägung von „Freude“ und bei stärkerer Ausprägung von „Entzücken“. In unserem Leben streben wir unbewusst und manchmal sogar bewusst nach maximaler Erfüllung/Befriedigung, wobei wir uns dafür aber nur minimal anstrengen wollen.

In diesem Sinn unterscheidet sich die jetzige Generation nicht im Geringsten von den vergangenen. Da sie mit einem größeren Verlangen geboren wurde, weist die neue Generation die Füllungen der vorangegangenen zurück, weil sie einfach keine Befriedigung in den Dingen erlangt, die den Eltern noch wichtig waren. Ihr Wunsch nach Erfüllung ist stärker als der der Eltern und er treibt die junge Generation dazu an, immer aktiver nach Befriedigung zu suchen. Die heutigen Kinder wollen alles, hier und sofort. Sie pfeifen darauf, sich jahrelang für ein entferntes Ziel anzustrengen – das ist nichts für sie. Daraus resultieren ihre Sorglosigkeit, Ungeduld und Hitzigkeit. Es ist einfach eine treibende Kraft – heutzutage stärker als in der Vergangenheit.

Tatsächlich gab es solche Eigenschaften sozialhistorisch gesehen in jeder jungen Generation. Darüber hinaus gab es aber nie Zeiten, in denen Eltern sich nicht darüber wunderten, dass sich ihre Kinder ganz anders verhielten als sie selbst. „Wir haben uns nie so verhalten, als wir jung waren!“ Es gibt auf der ganzen Welt wahrscheinlich keinen einzigen Menschen, der diesen Satz nicht zumindest einmal von seinen Eltern gehört hat. So war es immer und so wird es immer sein. Und doch unterscheidet sich die heutige Generation in einem Punkt dramatisch von allen anderen.

Unsere Kinder werden immer beharrlicher darin, nach einer Methode zur Entwicklung der „menschlichen“ Stufen in sich zu suchen. Die Erfüllung der so genannten „tierischen“ niedrigeren Stufe – Reichtum, Ruhm, Wissen – ist für sie in keinster Weise mehr befriedigend. Ferner verteidigen sie sich gegen die Erwachsenen mit allen erdenklichen Mitteln, weil diese einfach nichts zu bieten haben. Momentan geschieht dies unbewusst und sieht wie eine Erkrankung aus, doch mit der Zeit werden sich die Fragen der Jugendlichen klar herauskristallisieren und sie werden von den Erwachsenen Antworten darauf verlangen. Es wäre daher sehr nützlich, wenn wir beizeiten zumindest eine sinnvolle Antwort auf ihre Fragen parat haben.

Jetzt haben wir noch Zeit, damit aufzuhören, unsere Kinder zu Invaliden zu machen und sie mit Ritalin voll zu stopfen. Wir haben noch die Möglichkeit, nach einem korrekten Ansatz für ihr Heranwachsen, ihre Bildung und ihr Leben generell zu suchen.

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Quelle: www.laitman.com

Bild: Jim Snapper von FlickR

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