
Die Menschheit beschäftigt sich seit tausenden von Jahren damit, dem Glück nachzulaufen, doch es entschlüpft den meisten von uns. Wie können wir längere Zustände des Wohlbefindens, der Freude, der Zufriedenheit erreichen und was kann uns dabei helfen?
Experten der Harvard-Universität von Kalifornien in San Diego haben kürzlich die Ergebnisse einer 20 Jahres-Glücksstudie veröffentlicht, welche offenbarte, dass Zufriedenheit - sagen wir es so - ansteckend sei. Das stimmt. Genauso wie Sie sich von Ihren Freunden eine Erkältung holen können, können sie auch mit Zufriedenheit angesteckt werden.
In einem Artikel, der der Glückseffekt heißt, fasst das Time-Magazine die Ergebnisse dieser bahnbrechenden Studie zusammen: „Christakis und Fowler erforschten den emotionalen Zustand von nahezu 5000 Personen sowie die mehr als 50000 sozialen Verbindungen, die diese untereinander hatten. Dies führte zu einem verblüffenden Ergebnis, was die „Ansteckungsgefahr” von Glücksgefühlen betrifft. Wenn der Freund eines Probanden glücklich war, war die Wahrscheinlichkeit für den Probanden, glücklich zu sein um 15 % höher als normal; wenn der Freund des Freundes glücklich war, hatte der Proband immerhin eine 10 % höhere Wahrscheinlichkeit glücklich zu sein. Selbst wenn es der Freund des Freundes des Probanden war und somit dem Probanden völlig unbekannt - war die Wahrscheinlichkeit noch immer auf 5,6 % erhöht.”
Wie es aussieht, haben Kabbalisten diesen Glückseffekt seit tausenden von Jahren gekannt und nutzten ihn, doch die Kabbala geht viel weiter, als sich mit der Analyse solcher Statistiken zu beschäftigen: Sie behauptet, dass, wenn wir die Möglichkeit haben, uns gegenseitig mit Glück anzustecken, wir es schaffen würden, dass die Welt zu 100 % glücklich würde. Aber - werden Sie nun einwenden - wie kann man sich gegenseitig mit Glück anstecken, wenn die meisten von uns nichts davon fühlen? Das ist keine Entschuldigung, denn es gibt keine andere Technik, die die Kabbalisten benutzt hätten, als jene wissenschaftliche, von der gerade die Rede war: Nur wenn man sich selbst dazu bringt, „künstlich” zu lächeln, wird man sich umgehend besser fühlen und andere werden Ihr Lächeln als real wahrnehmen; es wird zusätzlich bewirken, dass die anderen sich glücklicher und zufriedener fühlen, und die Freude wird durch jemanden anderen direkt zu Ihnen zurückkehren. Wenn wir alle in diesem Spiel des „Vortäuschens, bis es Wirklichkeit wird” mitmachen, wird diese Glücksepidemie sich auf die ganze Welt ausbreiten.
Etwas Größeres als Glück?
Aber die Weisheit der Kabbala hört hier nicht auf. Sie erzählt uns, dass die Technik des gegenseitigen Ansteckens mit Gefühlen ein viel größeres Potential in sich birgt. Es stimmt - größer als dazu fähig zu sein, in der ganzen Welt für eine nachhaltige Zufriedenheit zu sorgen. Sie kann uns tatsächlich alle auf eine neue Stufe der Wahrnehmung erheben. Eine, die über Zeit und Raum und über unseren vergänglichen physischen Leben liegt - und das ist es tatsächlich, worum es in der Kabbala geht. Uns dabei zu helfen, die höheren Dimensionen unserer Existenz zu erfassen. Diese Dimension nennt man „Die höhere Welt” - eine Welt, welche unendlich ist, ewig und vollkommen in jeglicher Hinsicht. Eine Realität, wo wir alle lieben und uns um den anderen wie um Familienmitglieder sorgen.
Genauso wie es für uns möglich ist, das Gefühl anhaltender Glückseligkeit zu erreichen - ein Ziel, welches auf den ersten Blick unmöglich erscheint - so ist es auch möglich, die höhere Welt zu erreichen. Die Empfindung der wahren Ewigkeit und Einheit unter uns allen und Vollkommenheit. Wie? Offensichtlich starten wir zunächst ohne Empfindung dieser Dinge und wir haben nicht einmal eine Ahnung davon, was sie bedeuten - aber während wir sie noch nicht fühlen und auch nicht realisieren, wie großartig sie wirklich sind, können wir bereits anfangen, uns gegenseitig mit dem Gefühl anzustecken, dass es extrem wichtig und wertvoll ist, diese höhere Wahrnehmung zu erreichen. Wir erheben uns künstlich (und behaupten dies) über unsere derzeitige Wahrnehmung und kultivieren eine neue spirituelle Wahrnehmung unter uns. Wenn wir alle dieses Spiel der „spirituellen Wahrnehmung” spielen, dann wird diese neue spirituelle Wahrnehmung ins uns realisiert, genauso wie ein „künstliches” Lächeln im Endeffekt uns und andere glücklich machen kann.
Die Gesetze der Natur nutzbar machen
Außer, dass die Kabbala uns lehrt, wie man die Gesetze der Natur nutzt, gibt sie uns auch präzise wissenschaftliche Anweisungen, wie diese funktionieren. Sie sagt uns, dass das primäre Mittel für die Veränderung (ob wir nun über Stimmungen oder spirituelle Wahrnehmung sprechen) in unserem Verlangen besteht, einen besseren Zustand oder einen höheren Level der Entwicklung zu erreichen. Dieses Verlangen bewirkt etwas, das man „Höheres Licht” nennt. Eine Art von Energie, die von einem zukünftigen Zustand bzw. der höheren Stufe ausgeht, die wir anstreben.
Wenn sich Kinder beispielsweise wünschen, erwachsen zu sein, imitieren sie die Erwachsenen und so werden sie erwachsen. Ohne es zu wissen, ziehen sie eine höhere Energie an - höher, weil sie von der nächsten Stufe der Entwicklung herrührt. Diese Energie erlangen sie, weil sie sich wünschen, diese Stufe zu erreichen. Dieses Prinzip arbeitet in unserer Welt genau wie in der höheren Welt (höher bedeutet: fortgeschrittener Zustand, welcher bereits in unserem Potential existiert, es ist vergleichbar mit dem Erwachsenen, der bereits in einem Kind existiert).
Das ist die einzige Methode, von einem Zustand der Entwicklung in den nächsten zu gelangen. Selbst wenn wir die Dynamik des Wachstums in der Pflanzen- oder in der Tierwelt betrachten, werden wir Zeuge vom selben Prinzip: Die Verneinung des derzeitigen Zustands und das Verlangen nach dem nächsten sind die treibenden Kräfte für die Veränderung und für Wachstum.
Daher lehrt uns die Kabbala die wahren Kräfte der Natur und was viel wichtiger ist, darüber wie man sie anwendet, um Glück zu erreichen. Doch über dem normalen Empfinden von Glück können wir unbegrenzte spirituelle Wahrnehmung von Freude erreichen, die für immer andauern wird, selbst wenn wir physisch sterben, denn wir fühlen den ewigen Teil innerhalb von uns und innerhalb von jedem von uns. Dies ist also wirkliches Glück!
Ein Spiel ist eine ernste Angelegenheit
Wir sind alle Teile einer einzigen Welt, doch unser Egoismus teilt uns in voneinander getrennte und entfernte Fragmente. Indem wir uns wünschen, dieses Mosaik zusammenzusetzen, verbinden wir uns mit all jenen, die ebenso nach Einheit suchen und durch unsere Anstrengung ziehen wir auch jene Kraft an, die im Ganzen arbeitet. Diese Kraft korrigiert uns und bindet uns aneinander. In dem wir dies tun, werden wir der Natur ähnlich.
Wenn wir uns innerhalb einer Gruppe von Menschen befinden, die sich nach Einheit sehnen, müssen wir ihnen gegenüber eine fürsorgende Haltung einnehmen. Selbst dann, wenn wir uns momentan nicht danach fühlen. Wir spielen gegeneinander - und miteinander spielen wir gegen unseren Egoismus. Wir müssen alles Mögliche unternehmen, um unseren Egoismus zu zerstreuen und ihn zu besiegen. Dieses Spiel ist kein Betrug, sondern eine seriöse Angelegenheit, die uns dazu befähigt, uns zu entwickeln.


