Liebe – entschlüsselt
Artikel in Kabbala Heute Ausgabe #4
Jahr für Jahr feiern wir Valentinstag mit seiner Fülle an roten Blumen, roten Herzen und sogar roten Teddybären. Die Kabbala sorgt mit einem neuen Konzept für eine zusätzliche, erfrischende Nuance in punkto Liebe aber an jedem Tag im Jahr.
Interessanterweise kennen die Wenigsten den Ursprung und die Bedeutung des Valentinstags. Die verschlungenen Pfade seiner Geschichte führen uns zu uralten heidnischen Fruchtbarkeitsritualen, griechischer Mythologie, dramatischen, historischen Veränderungen im alten Rom und zu Gebräuchen der christlichen Kirche zurück. Doch hauptsächlich, ob wir nun wollen oder nicht, erinnert er uns jedes Jahr erneut an das ewige Thema – die Liebe.
Liebe – Was Sie schon darüber wussten
Für einige von uns ist dieser Tag eine willkommene Gelegenheit, unseren Partnern unsere Liebe zu zeigen. Wir kaufen für sie Blumen und Schokolade, kuscheln miteinander und sehen uns gemeinsam romantische Liebesfilme an.
Für andere wiederum ist es ein aufreibender, überflüssiger Tag, an dem man versucht ist, alle „gut gelaunten Pärchen“, die einen nerven, und das ganze Brimborium der roten Herzen und Blumen zu ignorieren – als wäre die Liebe nur deswegen erfunden worden, um ihnen auf die Nerven zu gehen.
Egal, welcher Liga Sie angehören, wir alle haben zumindest einmal erfahren, wie es ist, hoffnungslos verliebt zu sein. Liebe macht blind. Wenn wir verliebt sind, sehen wir am anderen keinerlei Fehler, rechtfertigen alles, was er tut und sehen nur das Gute in ihm oder ihr. Aber es ist uns natürlich auch klar, das diese „Liebesseifenblase“ irgendwann platzt und wenn wir dann zurückblicken, fragen wir uns: „War meine Liebe bloß eine Illusion? Und warum fühlt es sich jetzt nicht mehr so an, wie am Anfang?“
Liebe – Was ist sie wirklich?
Zum Glück offenbart uns die Weisheit der Kabbala eine Bahn brechende Erklärung für das „Liebesdilemma“. Zunächst gibt es einen triftigen Grund dafür, dass wir uns dann am wohlsten fühlen, wenn wir Liebe erfahren: Wenn wir Liebe für den Nächsten empfinden, entspricht dies irgendwie der innersten Eigenschaft der Natur.
Durch die Empfindung der Liebe kommen wir in Kontakt mit jener positiven Eigenschaft, die alle Teile der Wirklichkeit stärkt und miteinander verbindet. Die Kabbala nennt diese Eigenschaft „Liebe“ oder „Geben“. Sie ist somit der vereinende Faktor zwischen allen Elementen der Wirklichkeit: Steine, Pflanzen und Tiere, genauso wie allen inneren Erfahrungen des Menschen.
Allen Teilen der Natur – nur nicht dem Menschen – ist die Eigenschaft der universellen Liebe angeboren. Anders gesagt, ist der Mensch das einzige Wesen, das diese Eigenschaft nicht automatisch hat. Wir sind die einzige Ausnahme und können frei wählen: lieben oder hassen, geben oder nehmen.
Wenn wir uns gegen die Liebe auflehnen
Tatsächlich handeln wir meistens gegen diese Eigenschaft, was wiederum die Wurzel all unserer negativen Gefühle ist. Aus bestimmten Gründen nehmen wir an, dass wir uns wohl fühlen, wenn wir etwas für uns selbst tun, auch wenn dies zum Nachteil anderer ist. Wir fokussieren auf das Ich: Was kann ich tun, dass es mir gut geht – dass ich im Leben mehr Geld/Macht/Anerkennung bekomme? Und viele von uns wissen bereits, dass dieser Weg mit Wettbewerb, Eifersucht, Einsamkeit und Schmerz gepflastert ist.
Offensichtlich verhält es sich gegenteilig, wenn wir verliebt sind, wenn all unsere Gedanken nur auf den anderen gerichtet sind und wir uns ausschließlich um den anderen sorgen und kümmern. In diesem Zustand sind wir nur von einem einzigen Gedanken beseelt: Was kann ich tun, damit es ihm/ihr gut geht?
Wenn wir für einen Moment unsere Realität verlassen und uns aus einer übergeordneten Perspektive betrachten, wird uns klar, dass wir uns dann am besten fühlen, wenn wir mit der Liebe in Einklang sind. Noch mal zum besseren Verständnis: Wir fühlen uns dann am besten, wenn wir unsere „innere Frequenz“ mit jener Frequenz und jenem Fluss des Universums abstimmen, die in der gesamten Natur vorherrschen.
Und, nebenbei gesagt, ist das nichts, was nur die Kabbala aufzeigt. Biologen oder Botaniker stimmen ebenfalls darin überein, dass das Leben und die Entwicklung auf dem „Gesetz der Liebe“ basieren. Denn alle Teile eines lebendigen Organismus verhalten sich entsprechend dem Prinzip des „Schenkens“, das mit einem konstanten Geben an den anderen einhergeht. Jede einzelne Zelle lebt, um die Funktionen und das Wohlbefinden des Körpers aufrecht zu erhalten und somit seine Lebenskraft zu sichern.
Unser Körper ist ebenfalls in dieses Naturgesetz eingebunden, da er auf der tierischen Stufe existiert. Nur unsere Handlungen befinden sich auf der menschlichen Stufe – durch unsere Gedanken und Gefühle scheren wir in eine andere Richtung aus. Die menschliche Stufe in uns ist jener Ort, wo wir unser „Ich“, unsere Identität und unser konstantes Interesse für uns selbst wahrnehmen. Da dieser Teil nur auf den persönlichen Gewinn ausgerichtet ist, übersieht er für gewöhnlich die Tatsache, dass die Welt ein Ganzes ist und eine Verbindung und gegenseitige Abhängigkeit zwischen ihren Teilen besteht.
Uns ist nicht bewusst, dass die Zufriedenheit und das Leid eines anderen Menschen unsere eigene Befindlichkeit beeinflussen und somit unser Wohlbefinden direkt von dem des anderen abhängt. Die Kabbala hilft uns dabei, diese Zusammenhänge mit Hilfe eines „Vergrößerungsglases“ zu erkennen. Wir sehen dann, dass das Naturgesetz der absoluten Liebe – der universellen, instinktiven und natürlichen Aufmerksamkeit – auf der menschlichen Stufe bisher nicht realisiert wurde.
Die Harmonie mit der Natur bringt uns die Empfindung unendlicher Liebe
Wenn wir damit beginnen, alle Menschen im Licht des Gesetzes der absoluten Liebe zu sehen, werden wir das wunderbare Gefühl der Liebe für immer empfinden und nicht nur einen kurzen Moment lang. Wenn wir erst erkennen, dass wir alle miteinander verbunden sind – wie Zellen in einem Körper – werden wir am Fluss der Natur als ganzheitliche Wesen teilhaben. Wir werden dann einfach mit dem Rest der Natur verschmelzen und unsere Haltung ihr und unseren Artgenossen gegenüber wird sich zu purer Liebe entwickeln.
Die Harmonie mit der Natur auf der menschlichen Stufe wird uns einen Sinn dafür eröffnen, was die Kabbala „Unendlichkeit“ nennt – unendliche Liebe, Freude und Frieden. „Unendlichkeit“ ist jenes Gefühl, das wir empfinden, wenn sich die Grenzen zwischen uns auflösen und wir die anderen buchstäblich als Teil von uns selbst wahrnehmen.
Daher bedeutet eine Verbindung auf Basis der Liebe und des Schenkens nicht nur eine Änderung unserer Geisteshaltung, sondern auch eine Steigerung unserer Lebensqualität und Wahrnehmung. Daher sollten wir diesen Valentinstag nicht vergeuden, indem wir über „nervende Pärchen“ maulen oder uns fragen, warum es mit unserem „Ex“ nicht funktioniert hat.
Der Valentinstag möge uns an die grenzenlose Liebe erinnern, die wir erfahren könnten, wenn wir uns mehr auf das Geben anstatt auf das Empfangen konzentrierten.
