Mit dem gebührenden Respekt den “Vereinten Nationen” muss gesagt werden, dass die Legitimation des Staates Israel noch zu Urzeiten stattfand, als Abraham aus dem babylonischen Volk einige Schüler wählte, welche den Ursprung des Lebens entdecken wollten.
“Großbritannien: Enthaltung
Venezuela: dafür
Jemen: dagegen
Jugoslawien: Enthaltung…”
So ging es weiter in dieser winterlichen Nacht des Jahres 1947 während langer, angespannter Minuten. Endlich durchbrach die Mitteilung des amerikanischen Sprechers die angespannte Stille: “33 dafür, 13 dagegen …, der Antrag wurde angenommen.“
“…und danach Tänze und Tränen und gehisste Fahnen und mit voller Lautstärke hupende Autos und Schofarklänge aus allen Synagogen. Thorarollen wurden aus ihren Schreinen geholt und den Tanzenden gereicht…
In den späten Nachtstunden öffneten alle Lokale landesweit ihre Pforten und schenkten bis in den frühen Morgen kostenlos Getränke aus…
Fremde umarmten einander auf den Strassen und küssten sich unter Tränen…
Und während mein Vater und ich zwischen den Tanzenden herumstreunten, sagte er zu mir: “Sieh dir alles genau an, mein Kind, die Eindrücke dieser Nacht wirst du bis an dein Lebensende nicht mehr vergessen! Und über diese Nacht wirst du deinen Kindern und Enkelkindern erzählen und noch lange nachdem ich nicht mehr hier sein werde…” (Amos Os, Erzählung über Liebe und Finsternis)
Und tatsächlich haben wir diese Nacht niemals vergessen. Irgendwo im kollektiven Israelischen Gedächtnis hallen noch immer die Jubelklänge dieser unbeschreiblichen Freude, spontan wie eine ärgerliche Erinnerung, dass dies alles nicht “nur ein Traum” gewesen ist.
Für einen kleinen Moment fühlten wir, wie dieses Zusammengehörigkeitsgefühl Wirklichkeit ist, was eis heißt “wie ein Mensch” zusammengeschmolzen zu sein.
60 Jahre endlose Kriege, ermüdende innere Auseinandersetzungen und die Suche nach einer Richtung machen es schwierig, nicht an der Tatsache zu zweifeln, dass das alles wirklich stattgefunden hat.
Gebündelte Träume
Wir wollen unsere Erfolge nicht unterschätzen…Wir haben eine Fahne, eine Hymne, eine Elektrizitätsgesellschaft, eine Fluglinie, eine Armee, eine hochentwickelte High-Tech-Industrie u.s.w. Wir können stolz auf uns sein.
Aber angenommen, wir würden all die Hoffnungen und gebündelten Träume, die während jener dramatischen Nacht über den Tanzenden geschwebt sind, auf den Tisch unseres derzeitigen Lebens im Staate Israel legen, innehalten und uns ehrlich fragen: Sind all diese Träume Wirklichkeit geworden, sind wir wirklich eine vereinte, verbündete, vollkommene, freie und eigenständige Nation geworden? Würde heute irgendjemand bereit sein, ein ähnliches Ergebnis bei einer neuerlichen Abstimmung der UNO zu garantieren? Die Antworten werden höchstwahrscheinlich im Winde verwehen, solange wir nicht bereit sind, uns ehrlich Rechenschaft abzulegen.
Das Mandat der Natur
Zwischen den Träumen der Vergangenheit und der heutigen Realität liegt ein tiefer Abgrund, was auf die Tatsache hinweist, dass wir am Weg irgendetwas verabsäumt haben…
Wir sind zwar nach zweitausendjähriger Zerstreuung in das Land unserer Väter zurückgekehrt und haben versucht eine sich erneuernde hebräische Kultur zu begründen, die sich auf Humus, Falafel, Sandalen und im Winde wehender Stirnlocken stützt, aber dies reicht nicht aus. Zu irgendeinem Zeitpunkt lockerte sich der vormals verbündende starke Händedruck und jede Hand begann, sich in ihre eigene Richtung zu strecken. 60 Jahre sind vergangen, und wir haben das gewisse “etwas” noch nicht gefunden, das diesen Moment der Freude in eine anhaltende und vollkommene verwandeln würde. Und es gibt sogar solche, die soweit gehen, das Existenzrecht Israels anzuzweifeln…
Doch die Kabbalisten denken darüber anders.
Mit dem gebührenden Respekt der UNO, fand die Legitimation des Staates Israel noch zu Urzeiten statt, als Abraham aus dem babylonischen Volk einige Schüler wählte, welche den Ursprung des Lebens entdecken wollten. Die kabbalistischen Schriften beschreiben, dass sie gemeinsam einen Weg entdeckten, über das Ego hinauszuwachsen, und so zu gegenseitiger Bürgschaft gelangten. Vor ihnen soll sich eine neue, wundervolle Welt der verborgenen Kräfte und unendlicher Liebe ausgebreitet haben.
Diese Schülergruppe wuchs schlussendlich zu einem eigenen Volk heran, das in seinem eigenen Staat lebte, der auf gegenseitiger Liebe basierte und nannte sich Am Israel (Volk Israel).
Die Verwirklichung dieses Weges Abrahams und die Weitergabe an die gesamte Menschheit sei das einzig wirkliche Mandat, welches das Volk Israel von der höheren Natur erhalten habe, um sein Recht als Nation im eigenen Lande geltend zu machen.
Die langen Jahre der Zerstreuung ließen uns unsere spirituelle Aufgabe vergessen und wir existierten wie ein weiteres egoistisches Volk unter allen anderen Völkern.
Aber gegen Ende des 19. Jahrhunderts trat eine schicksalhafte Wende ein. Das jüdische Volk verspürte den starken Drang, wieder in sein ursprüngliches Land zurückzukehren und dort einen eigenständigen Staat zu gründen. In vollkommener zeitlicher Abstimmung, begann auch die Methode, die Abraham entwickelt hatte - die Weisheit der Kabbalah - von vielen wiederentdeckt zu werden.
Auf dieser Basis bestimmten die großen Kabbalisten des zwanzigsten Jahrhunderts, Rabbi Yehuda Ashlag (bekannt als Ba’al Hasulam) und Rav Kook, dass unsere äußerliche Unabhängigkeit in direkter Weise von der spirituellen abhängig ist.
” Und daher schlage ich dem Volk Israel vor, unseren Plagen ein Ende zu setzen, und eine Überlegung anzustellen – auf der Basis allen Übels, welches immer wieder zu uns zurückkehrt -… da wir als Volk keine Hoffnung haben, auf diesem Land zu bestehen, solange wir uns nicht ernsthaft dem Studium der Wissenschaft Kabbalah widmen, ohne jegliche Abschwächungen…
Solange wir unsere Ziele im irdischen Leben nicht über das materielle Leben erheben, werden wir keinen irdischen Wohlstand erreichen“, schrieb Ba’al Hasulam in seiner Abhandlung “Über den Frieden auf Erden”, “denn wir sind die Kinder der Idee!”
Diese Aussage ist heute einfacher und relevanter, als je zuvor: Es kann keine Existenzberechtigung für eine Gesellschaft geben, welche auf von Menschen postulierten egoistischen Zielen basiert, auch wenn es für einen Augenblick scheint, dass diese in anderen Gesellschaften und Ländern sehr wohl von Erfolg gekrönt sind.
In unserem Falle jedoch sind wie - den Schriften zu folge - in unser Land nur zurückgekehrt, um eine Gesellschaft zu gründen, die auf gegenseitiger Liebe basiert und um diese Form des Zusammenlebens die gesamte Menschheit zu lehren. Dies ist die alleinige Rechtfertigung unserer Existenz in unserem Land.
Hoffnung auf Liebe
Im heutigen 60 jährigen Staat Israel gibt es Umarmungen auf der Strasse und Hupkonzerte leider nur mehr nach dem Sieg einer Basketballmannschaft im Europapokal-Bewerb. Und auch das Verheißene Land wurde mit der Zeit zum Land, wo Milch und Coca Cola fließt, nach dem Vorbild des amerikanischen Traumes, in dem finanzieller Erfolg die Werte, die uns einigten, abgelöst hat. Trotzdem dürfen wir die Flinte nicht ins Korn werfen.
Ganz im Gegenteil: Die angeschlagene Realität ist eine einmalige Gelegenheit, unser gemeinsames Leben als Volk auf haltbaren Grundfesten zu bauen. Grundfeste, die auf unserer ursprünglichen Natur basieren. Noch ist es nicht zu spät, um der erstarrten zionistischen Strohpuppe, die die Richtung verloren hat, neuen Lebensgeist einzuhauchen.
Die neuen Tanzkreise sollten diesmal rund um unser spirituelles Ideal stattfinden. Die Welt erwartet unsere Einladung, in diesen unseren Tanz der gegenseitigen, sich ausbreitenden Liebe einzustimmen, und den schweren Felsbrocken, der die Quelle der unendlichen Freude, die tief in uns verborgen ist, zugeschüttet hat, gemeinsam wegzurollen.
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