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05.02.2012

Rabbi Chiyas Vision

rabbi hyas visionRabbi Chiyas Vision erzählt uns - auf feinsinnige Art des Sohars - über die gegenseitige Verantwortlichkeit.

„Rabbi Chiya ließ sich auf den Boden fallen, küßte den Staub, weinte und sprach…“

Das Buch Sohar, Einführung, Punkt 49.

Es gibt eine Geschichte über Rabbi Chiya, einem der besten Studenten von Rabbi Shimon Bar-Yochai, derselbe, mit dem er zusammen Das Buch Sohar geschrieben hat. Die Geschichte beginnt mit einer Frage, die Rabbi Chiya über die Seele seines Lehrers stellte.

Am Höhepunkt seines spirituellen Erlangens erkannte Rabbi Chiya, dass die Seelen erst dann zu ihren Wurzeln, zu ihren höchsten spirituellen Zuständen, zurückkehren, wenn sie ihre egoistischen Verlangen in sich korrigieren. Aus diesem Grund fragte Rabbi Chiya, wie eine so erhabene Seele wie die Rabbi Shimons, nicht ihre Korrektur vollenden konnte, sondern warten müsse, bis alle anderen Seelen auch ihre Korrektur erreicht hätten.

Rabbi Chiya konnte nicht begreifen, wie solch ein großer Kabbalist, durch den das Licht auf die ganze Welt schien, sich nicht selbst korrigieren konnte, bevor nicht jeder Mensch seine spirituelle Berufung vollendet hatte. Der Sohar sagt, dass Rabbi Chiya durch diese Frage in solch einen inneren Aufruhr geriet, dass er sich auf den Boden fallen ließ, weinte und sagte: „Staub, oh Staub, wie stur bist du, wie anmaßend? Du verbrauchst alle Lichtsäulen in der Welt; wie kannst du nur so vermessen sein? Das heilige Licht, das auf die Welt ausstrahlte, Rabbi Shimon Bar-Yochai, dessen Verdienste die Welt aufrechterhalten, war in dir verschlungen“.

Laut der Weisheit der Kabbala wird ein Mensch auf diese Welt wiedergeboren, damit er seine Seele korrigieren kann. Dieser Korrekturvorgang beginnt mit dem Verlangen des Schöpfers, allen die Fülle und Güte zu bewilligen, die Er besitzt. Aus diesem Grund erschaffte er ein Geschöpf mit dem Namen „die Urseele (die gemeinsame Seele)“.

Danach zersplitterte die Seele in viele Teilchen, die „Seelen“ genannt werden. Diese Seelen verloren die Verbindung mit dem Schöpfer. Sie entfernten sich immer weiter von Ihm und endeteten im niedrigsten Existenzdasein, genannt „diese Welt“. Aus diesem Zustand heraus müssen die Menschen ihre Seelen korrigieren und sich wieder mit dem Schöpfer vereinen.

Die Weisheit der Kabbala erklärt, dass dieser Korrekturvorgang stattfinden muss, solange der Mensch noch in dieser Welt lebt, eingekleidet in einen Körper aus Fleisch und Blut. Den Seelen soll dadurch ermöglicht werden, eigenständig in Kontakt mit ihrem Schöpfer zu treten, doch diesmal müssen sie dies bewusst tun und aus eigenem Willen.

Vor ihrem Abstieg in diese Welt waren die Seelen in der spirituellen Welt in Liebe und durch das Geben miteinander verbunden. Das Sinken in diese Welt symbolisiert das Abgetrenntsein der Seelen in dem jetzigen Dasein, wo sie spüren, dass sie unfähig sind, ihre Vernetzung miteinander wahrzunehmen. Unsere Aufgabe ist es, diese Verbindungen wieder herzustellen während wir noch in dieser Welt leben und Schritt für Schritt zu unserem anfänglichen, vollkommenen Zustand zurückzukehren. Am Endes dieses Vorganges, Gmar Tikun ha Pratti (Individuelles Ende der Korrektur) genannt, wird sich jede Seele korrigieren und zur spirituellen Welt zurückkehren. Der Zustand, in welchem sich alle Seelen korrigieren, wird Gmar Tikun Klali (Gemeinsames Ende der Korrektur) genannt.

Der „Staub“ auf den Rabbi Chiya fiel, stellt die unkorrigierte Seele dar, die in ihrem verdorbenen Zustand höhere Seelen daran hindert, Gmar Tikun zu erreichen. Rabbi Chiya konnte die Tatsache nicht akzeptieren, dass durch diesen Vorgang die Seele von Rabbi Shimon zurückgehalten wurde, der anscheinend gezwungen war, auf das Gemeinsame Gmar Tikun zu warten, bevor er seine Seele korrigieren konnte. Darum wollte Rabbi Chiya Rabbi Shimon „sehen“, d.h. in einen Zustand aufsteigen, wo er die Reihenfolge der Korrektur der Seelen verstehen könnte und somit auch eine Antwort auf seine Fragen erhielte.

Aber Rabbi Chiyas Bitte wurde abgeschlagen, weil er es noch nicht verdient hatte, in diesen erhabenen Zustand aufzusteigen. Er reagierte darauf mit der Entscheidung „40 Tage zu fasten“. In der Kabbala bedeutet diese Handlung das Erwerben der Eigenschaft von Bina, dargestellt durch den hebräischen Buchstaben Mem (dessen numerischer Wert 40 ist). Nachdem seine Bitte zum zweiten Mal verwehrt wurde, fastete er weitere 40 Tage, korrigierte sich eben mehr und stieg zu einem höheren spirituellen Grad auf. Erst dann wurde er zu einem „überirdischen Priesterseminar“ erhoben, einem Zustand, in dem alle korrigierten Seelen in Liebe verbunden, mit dem Schöpfer vereint und mit dem Höheren Licht gefüllt sind.

Als Rabbi Chiya zu diesem spirituellen Grad aufstieg, beobachtete er sich anscheinend von außen und entdeckte, dass sich seine Seele bereits unter den korrigierten Seelen, im Zustand von Gmar Tikun, befand. Dies erstaunte ihn noch mehr: wie konnte dieser korrekte Zustand existieren, bevor er, Rabbi Chiya, die Korrektur seiner Seele vollendet hatte?

Das Buch Sohar benutzt diese Geschichte um zu erklären, dass die gesamte Wirklichkeit bereits existiert. Wir sind bereits im Zustand von Gmar Tikun enthalten, in unserer vollsten Glorie und Pracht. Diese Welt ist nur ein verkehrtes Bild, welches wir in unserem derzeitigen Entwicklungszustand erfahren.

Der Sohar enthüllt eine neue Perspektive vom Leben: dass alle Leiden und Probleme dazu da sind, damit wir unsere eigenen Unvollkommenheiten erleben können. Um zur Wahrnehmung der vollkommenen Wirklichkeit zu gelangen, müssen wir das Innere dem Äußeren bevorzugen und Gelegenheiten finden, die Weisheit der Kabbala in unser Leben einzuflechten. Wenn wir das tun, werden wir, wie Rabbi Chiya, zu einem höheren spirituellen Zustand gelangen, zu der Wirklichkeit, in der wir wirklich existieren. In diesem Zustand werden wir sein, wie alle Kabbalisten vor uns, und die Wirklichkeit entdecken, in der alle Seelen in ihrem vollkommenen Zustand vereint sind.

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