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08.02.2012

Wer verändert sich – wir oder der Schöpfer?

Profil in den Wolken

In der Kabbala umschreibt das Wort „Schöpfer” nicht jemanden, der aus dem Himmel zu uns hinab schaut und je nachdem wie wir uns verhalten Belohnung oder Bestrafung verteilt. Vielmehr ist der Schöpfer eine unveränderliche Kraft der absoluten Liebe und des Schenkens, welche die gesamte Schöpfung beseelt, einschließlich uns. Wenn der Schöpfer allerdings unveränderlich ist, wie erklärt Kabbala dann, dass wir uns manchmal so fühlen, als wäre Er gütig zu uns und ein anderes mal grausam? Die Kabbala legt dar, dass wir diese Veränderungen spüren, weil wir uns verändern. Und zwar reflektieren die Veränderungen, die wir empfinden, unsere Harmonie oder Disharmonie mit dem Schöpfer und je ähnlicher wir dem Schöpfer sind, um so stärker fühlen wir uns in Harmonie mit Ihm.

Gewissermaßen gleicht dies der Beziehung zwischen Eltern und ihrem Kind. Die Eltern möchten, dass das Kind zu seinem eigenen Wohle auf eine bestimmte Weise agiert. Möchte das Kind jedoch nicht auf diese Art handeln, nimmt es seine Eltern als gemein wahr. Wächst das Kind jedoch heran, beginnt es, seine Eltern mehr zu verstehen und in Dingen mit ihnen einer Meinung zu sein, denen es vorher nicht zugestimmt hat. Irgendwann einmal wird es selbst zu einem Elternteil und plötzlich erkennt es, dass seine Eltern es stets mit Liebe und Güte behandelt haben.

Mit anderen Worten, die Eltern bleiben immer gleich und einzig die Gefühle und das Verständnis des Kindes unterliegen dem Wandel. Genau wie der unveränderliche Schöpfer wollen die Eltern immer nur das eine für ihr Kind - es zu begünstigen. Aber die Fähigkeit des Kindes, zu verstehen und die Eltern zu rechtfertigen ist abhängig von seiner Reife und Ähnlichkeit zu ihnen.

Auf gleiche Weise erklärt Kabbala, dass die Art, wie wir unsere Beziehung zum Schöpfer erfahren, davon abhängt, wie wir uns verändern. Religion andererseits erzählt, dass es der Schöpfer ist, der Seine Einstellung uns gegenüber verändert. Praktisch gesehen bedeutet dies, dass diese beiden Betrachtungsweisen vollkommen gegensätzlich sind: Nutzt ein Mensch die Methode der Kabbala, weiß er, wenn er sich selbst verändert, nimmt er den gleichen Schöpfer unterschiedlich wahr, wohingegen die Religion beteuert, dass indem der Mensch bestimmte Handlungen durchführt, er bewirkt, dass der Schöpfer sich in Bezug auf ihn verändert.

Aus kabbalistischer Perspektive ist dies so, als bitte man die Erdanziehungskraft, ihr „Verhalten” zu ändern. Offensichtlich ist dies aussichtslos. „Aber,” könnte man fragen, „sagt Kabbala, wir sollen nicht auf eine Veränderung der Dinge hoffen, wenn sie nicht gut verlaufen?” Ganz im Gegenteil: Kabbala sagt nicht, wir sollen passiv, mit in unserem Schoß gefalteten Händen dasitzen, während uns unglückliche Dinge widerfahren. Vielmehr bietet sie uns eine Methode an, durch welche wir unser Leben aktiv verbessern können, statt eine höhere Kraft darum zu bitten, dies für uns zu tun, oder auf eine solche zu warten.

Kabbala weist den Menschen zuerst an, zu lernen, wer der Schöpfer ist und was Seine Qualitäten sind. Dann befähigt sie ihn, sich selbst zu verändern, um dem Schöpfer ähnlich zu sein und dadurch Harmonie mit Ihm zu erfahren. So wie ein Kind, das heranwächst und selbst zu einem Elternteil wird, realisiert, dass seine Eltern stets gütig zu ihm waren, werden wir den gleichen Status wie der Schöpfer erlangen und erkennen, dass Er uns immer wohlwollend behandelt.

In der Kabbala spricht man von einem „Gebet”, wenn ein Mensch um eine in sich selbst stattfindende Veränderung bittet, da er weiß, dass er auf diese Weise seine Beziehung mit dem unveränderlichen Schöpfer verändert.

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