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05.02.2012

Wie können wir aufhören, wie „Scrooge“, der Geizhals zu sein?

 

Wie konnte sich der habgierige Scrooge über 100 Jahre lang bei jung und alt, reich und arm und auf der ganzen Welt behaupten und populär bleiben? Ist er möglicherweise ein Spiegelbild von uns oder regt uns seine Geschichte zu einer persönlichen Veränderung an?

Einer der am längsten überdauernden Charaktere der Literatur ist Ebenezer Scrooge, der kleinliche, geizige, kaltherzige Geschäftemacher in Charles Dickens klassischem Märchen, der sein gesamtes Leben dem Anhäufen von Reichtum widmete. „ Oh, er war ein gnadenloser Schinder, dieser Scrooge! Ein
erpresserischer, gewalttätiger, unersättlicher, raffgieriger, verbissener, habsüchtiger alter Sünder!” so beginnt die Geschichte. Doch obwohl wir es lieben, den alten Scrooge zu hassen, gibt es etwas, was keiner von uns zugeben würde: Tief im Inneren passt diese Beschreibung irgendwie auf jeden von uns. Wir alle sehnen uns nach den guten Dingen.

Nicht alle von uns sind vom Geld besessen wie Scrooge, aber es gibt unzählige andere Vergnügungen, die uns verführen können: Ehre, Wissen, Macht oder auch nur angenehme Gefühle, die wir haben, wenn wir uns als Gutmenschen präsentieren. Das einzige Problem liegt darin, dass viele von uns diese angenehmen Gefühle - gleich wie Scrooge - auf Kosten anderer bekommen. Der große Kabbalist Baal HaSulam summiert all dies in seinem Artikel „Freiheit in der Welt” mit folgenden Worten: „Die Natur von jedem Individuum sieht vor, das Leben aller anderen Menschen auf der Welt zum eigenen Nutzen auszubeuten.” So zieht uns Scrooge einerseits an, andererseits stößt er uns ab, denn er wurde zu einem Meister der Selbstbereicherung.

Es ist Zeit, dem Scrooge in uns ins Gesicht zu sehen

Bis jetzt konnten wir unsere Augen leicht vor der Tatsache verschließen, dass sich ein Scrooge in uns allen befindet. Immerhin haben wir es geschafft, über tausende von Jahren auf diese Weise zu überleben, doch die derzeitige Finanzkrise bringt uns dazu, uns unserer tatsächlichen Natur zu stellen und die Alarmglocken zu hören, die uns darauf hinweisen, dass wir uns verändern sollten. Für Scrooge beginnt diese Veränderung, als ihn sein verstorbener ehemaliger Partner, Marley, einen Besuch abstattet. Marley erscheint, um Scrooge vor der düsteren Zukunft zu warnen, die ihm beschieden ist, sollte er seine Einstellung nicht ändern.

Nachdem Marley wieder verschwunden ist, wird Scrooge von drei Geistern besucht, die ihm Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft zeigen. Langsam aber sicher öffnen sich seine Augen und er erkennt, was er ist und welchen Einfluss er auf die Menschen seiner Umgebung hat. Er blickt auf seine armselige Kindheit zurück und sieht, dass er, obwohl er Reichtümer angehäuft hat, nur einige wenige Funken der Liebe und der Freundlichkeit erleben konnte.

Doch der Geist der Gegenwart lenkt den Fokus von Scrooge von sich weg und drängt ihn dazu, den Rest der Menschheit zu betrachten. Unter all den Spenden während der Weihnachtszeit zieht der Geist seinen Mantel zurück und zeigt zwei Kinder, ein Mädchen und einen Jungen - abgemagert, ängstlich und armselig. Diese Kinder - Unwissenheit und Mangel - sind die Nebenprodukte der Exzesse, die Scrooge über all diese Jahre so „erfreuten” und es wird klar, dass er niemals richtige und wirkliche Freude daraus schöpfte. Warum nicht?

Die Kabbala erklärt, dass uns alles, was wir über das notwendigste hinaus für uns in Anspruch nehmen, innerlich eine noch größere Leerheit beschert und unser Verlangen nach Erfüllung auf eine Stufe ausweitet, wo wir es niemals mehr füllen können. Daher werden wir immer gieriger darin, nach exzessiven und unnötigen Erfüllungen zu streben und je mehr wir für uns selbst nehmen, umso weniger lassen wir für andere übrig. Dies ist die Wurzel des Problems, welches diese beiden Kinder in all ihrer Armseligkeit erschaffen hat.

Heute haben wir ebenfalls Besuch des Geistes aus der Gegenwart, welcher uns dazu drängt, uns mit unserer Natur zu konfrontieren. Doch diesmal heißt der Geist „Globale Finanzkrise”.

Ich bin nicht mehr der Mensch, der ich war!

Am Ende der Besuche kann Scrooge sich selbst nicht länger ertragen. Er spürt eine Sehnsucht in seinem Herzen: „Geist”, schreit er, und fasst sich ans Herz, „Höre mich. Ich bin nicht mehr der, der ich war. Ich werde nicht mehr der Mensch sein, der ich für diese Erkenntnis sein musste. Warum zeigst du mir das alles, nachdem ich alle Hoffnung verloren habe?” Wir sind ebenfalls hoffnungslos (oder hilflos), was die Veränderung unserer eigenen Natur betrifft. Doch die Kabbala sagt uns, dass wir es mit Hilfe der „Höheren Kraft” schaffen können, wenn es uns nur gelingt, ein „vollkommenes Gebet” zu erheben.
Das bedeutet, dass wir eine innere Verwirklichung erreichen müssen, die wir niemals erreichen, solange wir unser althergebrachtes Leben einfach fortführen und uns weigern, unsere egoistische Natur aufzugeben. An diesem Punkt würden wir sofort durch die Höhere Kraft verändert werden. Das heißt, dass sich uns eine weiter entwickelte und altruistische Zukunft enthüllen würde, als Antwort auf unser Gebet.

Scrooges Gebet wird erhört. Er erwacht als neuer Mensch, voll von Fürsorge und Mitleid zu anderen. Wie Dickens schließt: „Scrooge war besser als seine Worte. Er tat alles und unendlich mehr.. Er wurde gleichermaßen guter Freund, guter Herr, guter Mensch..”

Kabbala erzählt uns, dass wir, um eine sichere, korrigierte, friedliche und glückliche Welt zu erschaffen, zu der spirituellen Stufe von „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst” gelangen müssen. Wir kümmern uns also mehr um das Wohlbefinden des Nächsten als um unser eigenes, wie Baal HaSulam im zuvor erwähnten Artikel schreibt: „Der zu korrigierende Faktor besteht für jedes Individuum im Verständnis, dass das persönliche Wohlbefinden und das der Gesellschaft ein und dasselbe sind.”

Genau jetzt, wo wir diese Veränderung noch nicht durchgemacht haben, erscheint es uns paradox, dass wir uns selbst glücklich machen können, indem wir die Wünsche der anderen erfüllen - doch es ist so und wir werden es erfahren. Dann wird die Phrase „Das ist doch bloß Humbug!” aus unserem Vokabular verschwinden.

Quelle: Kabbalah Today # 19

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